Wenn der Heuschnupfen knallt, die Männergrippe zuschlägt und trotzdem Licht am Horizont erscheint
Manchmal merkt man, dass sich etwas verändert, bevor man es klar aussprechen kann. Erst ist es nur ein Gefühl. Dann ein Gedanke. Dann irgendwann eine Entscheidung, die langsam Form annimmt. Genau an so einem Punkt stehe ich gerade.
Nebenbei versucht der Heuschnupfen aktuell, mich komplett auseinanderzunehmen. Augen, Nase, Müdigkeit, der ganze sympathische Frühlingszirkus. Während draußen alles blüht, denkt sich mein Körper offenbar: Angriff. Und als wäre das nicht genug, klopft natürlich auch noch die legendäre Männergrippe an die Tür. Also kurz gesagt: körperlich gerade eher Kreisklasse als Champions League.
Trotzdem taucht irgendwo zwischen Allergie, Alltag und Gedankenkarussell etwas auf, womit ich selbst nicht gerechnet habe. Ein Licht am Horizont.
Ich habe in den letzten Wochen viel nachgedacht. Nicht dieses schnelle Handy-Nachdenken zwischen zwei Scrollbewegungen, sondern ehrliches In-mich-Gehen. Fühlen. Sortieren. Aushalten. Sich selbst mal nicht ausweichen. Und dabei bin ich an einem Punkt angekommen, den ich lange vor mir hergeschoben habe.
Ich werde sehr wahrscheinlich wieder Richtung Nine-to-Five gehen.
Das klingt für manche vielleicht völlig normal. Für mich ist es aber ein größerer Schritt. Denn RocksterTV war und ist etwas Eigenes. Etwas, das ich aufgebaut habe. Mit Herz, mit Energie, mit vielen Stunden, mit verrückten Ideen, mit Podcasts, Reisen, Events, Blogposts, Kooperationen, Videos und sehr viel persönlichem Einsatz.
Und damit wir uns richtig verstehen: Das ist kein Scheitern. Kein Aufgeben. Kein dramatischer Schlussakkord mit trauriger Pianomusik im Hintergrund. Das ist eher eine Neuausrichtung.
Ich bekomme RocksterTV alleine hin. Das habe ich oft genug bewiesen. Aber es ist nicht mehr so wie früher. Ist auch logisch. Ich bin allein. Kein Team. Und ganz wichtig: Das war meine Entscheidung. Ich wollte diesen Weg so gehen.
Nur irgendwann muss man ehrlich zu sich selbst sein.
Manche Dinge machen Spaß und ziehen dir trotzdem Energie. Manche Projekte sehen von außen frei aus und fühlen sich innen schwer an. Manche Wege, die früher genau richtig waren, passen irgendwann nicht mehr komplett zur aktuellen Lebensphase.
Genau da bin ich gerade.
Ich habe keine Lust mehr, Dinge nur aus Gewohnheit weiterzuführen. Keine Lust mehr, ständig liefern zu müssen. Keine Lust mehr, irgendwas zu posten, nur damit irgendwo sichtbar bleibt, dass ich noch da bin. Dieses Produzieren nur fürs Produzieren interessiert mich nicht mehr.
Wenn ich etwas mache, dann soll es Substanz haben. Oder Freude. Im Idealfall beides. Verrücktes Konzept, ich weiß.
Deswegen wird sich bei RocksterTV wahrscheinlich einiges verändern.
Das Thema News wird eingestellt. Ganz bewusst. Der Bereich frisst Zeit, Aufmerksamkeit und Energie, die ich an anderer Stelle sinnvoller einsetzen kann. Es bringt nichts, an Dingen festzuhalten, nur weil sie mal Teil des Ganzen waren.
Der Podcast bleibt.
Weil Gespräche bleiben. Austausch bleibt. Echte Geschichten bleiben. Menschen bleiben spannend. Das Format passt weiterhin zu mir. Vielleicht verändert es sich. Vielleicht ruhiger. Vielleicht gezielter. Aber es bleibt.
Instagram und Social Media laufen weiter, soweit es in mein Leben passt. Aber nicht mehr unter dem Motto: Hauptsache posten. Wenn es etwas zu zeigen gibt, zeige ich es. Wenn nicht, dann nicht. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn mal drei Tage nichts online geht. Sensationell.
Der Fokus liegt für mich aktuell viel stärker auf dem Fahrradfahren selbst.
Einfach aufs Bike setzen. Fahren. Kopf frei kriegen. Ohne Kamera. Ohne Story. Ohne Content-Zwang. Einfach fahren. Das ist etwas, das ich mir zurückholen will. Nicht jede Ausfahrt braucht eine Caption. Nicht jede Bewegung braucht Publikum.
Dieses Jahr stehen noch starke Dinge an. Dolomiti Paganella zum Beispiel. Darauf freue ich mich. Berge, Bikes, andere Luft, andere Gedanken. Ob ich solche großen Geschichten nächstes Jahr noch in derselben Form machen werde, weiß ich nicht. Vielleicht ja. Vielleicht nein.
Ich merke aber jetzt schon, dass mein Blick sich eher auf kleinere Dinge richtet. Mehr Sidekicks. Mehr lokale Events. Mehr ehrliche Formate. Weniger größer, schneller, lauter. Mehr nahbar, machbar, echt.
Zwischenzeitlich war auch die Kohlrouladenrunde. Wieder mit stabilen Leuten, guter Stimmung und ehrlicher Energie. Einige mussten krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Passiert. Gehört dazu. Das Event lebt trotzdem. Vielleicht gerade deshalb, weil es nicht geschniegelt ist, sondern echt.
Und nochmal ganz klar: Ich gebe RocksterTV nicht auf!
Aber RocksterTV wird sich verändern. So wie ich mich verändere. So wie Lebensphasen sich verändern. So wie Prioritäten sich verschieben.
Und ich habe darauf ehrlich gesagt Bock.
Neue Ufer klingt nach Kalenderspruch, trifft es aber trotzdem ganz gut. Neue Struktur. Neue Klarheit. Vielleicht neue Sicherheit. Vielleicht neue Freiheit auf eine andere Art.
DANKE!