Wenn der Kopf voll ist und die Motivation im Keller: Ein ehrlicher Einblick in meinen aktuellen Winterblues
Ich merke gerade sehr deutlich, dass ich wieder mehr bloggen muss. Nicht aus Pflichtgefühl, nicht für Reichweite, sondern weil ein Blog für mich immer auch so etwas wie ein öffentliches Tagebuch ist. Ein Ort, an dem Gedanken raus dürfen, ungefiltert, ehrlich, ohne Algorithmus, ohne Erwartungshaltung. Schreiben, um den Kopf zu sortieren. Schreiben, um Dinge nicht nur zu denken, sondern zu verstehen.
Vielleicht ist das hier gerade nichts anderes als ein Versuch, Dinge neu zu sortieren. Ohne Plan, ohne Ziel, einfach ehrlich.
Am 22. Dezember saß ich das letzte Mal auf meinem Mountainbike. Eine richtig gute Tour oben in Herdecke, mit bekannten Gesichtern, Leuten aus der Szene, guten Gesprächen, Dreck am Bike, genau dieses Gefühl von „alles ist gerade okay“. Seitdem: nichts mehr. Kein Bike, keine Trails, kein Flow. Klar, das Wetter spielt eine Rolle – Kälte, Nässe, graue Tage. Aber das wäre zu einfach. Das eigentliche Thema sitzt woanders.
Ich habe Phasen, in denen mich eine gewisse Lethargie erwischt. Ich beschönige das nicht, aber ich dramatisiere es auch nicht. Es ist da. Man steht auf, duscht, isst was, setzt sich hin, zockt, bastelt ein bisschen an der Website, geht wieder pennen. Kein kompletter Absturz, aber auch kein Vorwärtsgang. Eher so ein innerer Leerlauf.
Dazu kommt die Weltlage. Viele sagen: „Guck doch einfach keine Nachrichten mehr.“ Kann ich nicht. Will ich nicht. Ich bin neugierig, ich will verstehen, was passiert. Aber natürlich hinterlässt das Spuren. Unruhen, Konflikte, Dauerkrisen, gesellschaftliche Spannungen – auch wenn man nicht direkt betroffen ist, arbeitet das im Kopf. Leise, aber konstant. Das sind alles Faktoren, die sich stapeln.
Und dann ist da noch diese Zahl: 2026/27. Mein letztes Jahr in den Vierzigern. Rational weiß ich, dass es nur eine Zahl ist. Emotional triggert sie trotzdem. Weil sie Fragen aufwirft. Standortbestimmung. Was war gut? Was fehlt? Was kommt noch? Kein Drama – aber auch nichts, was man einfach wegwischt.
Ich habe mir vorgenommen, wieder ins Fitnessstudio zu gehen. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil Bewegung mir mental hilft. Ich habe mir sogar einen Jahreskalender gebaut, mit festen Trainingstagen. Montag sollte der Start sein. Und was habe ich gemacht? Ich habe mir eingeredet, dass ich noch keine perfekten Schuhe habe. Eine klassische Ausrede. Ich hätte irgendein Paar anziehen können, Tasche packen, losgehen. Habe ich nicht. Stattdessen: Battlefield gezockt. Stundenlang. Und mir eingeredet, dass das Basteln an der Website ja auch „produktiv“ sei.
Gestern kam noch etwas dazu, das mir im Nachhinein selbst unangenehm aufgefallen ist. Ich habe krampfhaft versucht, Instagram-Storys zu posten. Nicht, weil ich wirklich etwas zu erzählen hatte, sondern aus Langeweile. Aus diesem inneren Drang heraus, mich mal wieder zu zeigen. Zu signalisieren: Ich lebe noch. Ich bin noch da. Ganz ehrlich? Das war ein Satz mit X.
Qualitativ war das meiste einfach nicht gut. Belanglos. Uninspiriert. Ohne echten Mehrwert. Einzige Ausnahme: das Video mit dem neuen Fahrrad-Montageständer – geschenkt, das war okay. Aber der Rest war eher digitales Rauschen. Und das ist ein Punkt, der mir wichtig ist: Lieber nichts posten als irgendwas. Auch wenn der Algorithmus drängelt. Sichtbarkeit um der Sichtbarkeit willen bringt nichts.
In dem Zuge habe ich auch auf Instagram aufgeräumt. Ich habe Leuten entfolgt, bei denen ich schlicht keinen Mehrwert mehr gesehen habe. Keine Inspiration, kein Gedanke, kein Austausch. Und ja, ich habe auch Accounts gesehen, bei denen Menschen krampfhaft versuchen, sich etwas aufzubauen – und dabei eher wirken, als würden sie sich selbst im Weg stehen. Das ist meine Wahrnehmung, nicht mein Urteil. Geschenkt. Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber ich muss mir das nicht dauerhaft reinziehen. Auch das ist Selbstschutz.
Was mir wichtig ist – und das ist kein leerer Motivationssatz: Wenn du dich gerade ähnlich fühlst, dann bist du nicht allein. Wirklich nicht. Diese dunklen Tage, die wir gerade sowieso haben, gehen vorbei. Nicht über Nacht, nicht magisch, aber sie gehen vorbei. Nach dunklen Tagen kommen helle. Das ist keine Floskel, das ist Erfahrung.
Und bei all dem: Es ist nicht alles schlecht. Es gibt Menschen, die anrufen, nachfragen, einfach da sind. Ohne Agenda, ohne Content-Hintergedanken. Das zählt. Das erdet. Das zeigt mir, dass ich nicht alleine durch diese Phase gehe, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Ich schreibe diesen Text nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe ihn, weil Ehrlichkeit Ordnung in den Kopf bringen kann. Weil Dinge auszusprechen – oder aufzuschreiben – ein erster Schritt raus aus der Starre ist. Ich weiß, dass ich da wieder rauskomme. Nicht mit einem großen Knall, nicht mit „ab morgen alles anders“, sondern Schritt für Schritt. Vielleicht erst ins Fitnessstudio. Vielleicht erst wieder aufs Bike, wenn das Wetter passt. Vielleicht auch einfach nur mit klareren Entscheidungen.
Es muss nicht perfekt sein.
Es muss nur echt sein.