Wenn die einfachsten Werkzeuge verschwinden
Kettennieter-Drama im Ruhrpott. Manchmal denkste dir: „Ey, das Leben als Radfahrer ist doch eigentlich ganz einfach.“ Kette schmieren / Waxen, Schaltung justieren, Bremsbeläge tauschen – Kleinigkeiten halt. Und dann kommt so eine vermeintliche Kleinigkeit wie ein Kettennieter daher und macht dir das Leben schwer.
Gestern war wieder so ein Tag. Ich mit meinem Gravel-Bike unterwegs – ja, dem Bike, das bei mir meist mehr in der Ecke steht, weil ich eigentlich Hardcore-Mountainbiker bin – und denke mir: „Komm, hol dir mal eben einen Kettennieter, den kann man immer gebrauchen.“ Tja, denkste.
Was macht eigentlich ein Kettennieter?
Kettennieter-Drama im Ruhrpott
Damit wir mal vom Fachlichen sprechen: Ein Kettennieter ist so’n kleines, unscheinbares Werkzeug, das im Prinzip nix anderes macht, als den Bolzen – also den Stift – aus einem Kettenglied rauszudrücken oder wieder reinzupressen. Ohne dieses Ding stehst du da wie der Ochs vorm Berg, wenn dir unterwegs die Kette reißt. Außer du hast das Passende Kettenschloss mit dabei!
Früher gab’s den Kettennieter als Allzweckwaffe: Einer für alles. Zack – egal ob 8-fach oder 9-fach, das Ding hat funktioniert. Du bist zum Laden, hast dir so ein Teil gekauft, fertig. War vielleicht nicht High-End, aber es hat getan, was es sollte: Niet raus, Kette wieder zusammen, und ab dafür. Kettennieter-Drama im Ruhrpott

Willkommen im Dschungel der Standards
Heute sieht die Sache aber ganz anders aus. Da kommste in den Laden und hörst nur:
„Ja, welchen Kettennieter brauchen Sie denn? Für 8-fach, 9-fach, 10-fach, 11-fach oder gar 12-fach? Ach, und Campagnolo? Ja, da müssen Sie ein ganz spezielles Modell nehmen.“
Und ich steh da und frag mich ernsthaft: Was für ein Zirkus ist das eigentlich?
Campagnolo empfiehlt also tatsächlich, dass man für deren Ketten Ihrem eigenen Kettennieter benutz . Ich sag’s dir: Früher war das mal ein Werkzeugkasten, heute brauchst du ein ganzes Lager voller Spezialwerkzeug. Da krieg ich als Ruhrpottler echt nen Hals. Kettennieter-Drama im Ruhrpott
Vom Ruhrpark nach Bochum – und nix außer leeren Regalen
Also gut, ich starte los mit meinem Kumpel. Einmal durch den Ruhrpark, Sonne im Rücken, Laune eigentlich gut. Natur tanken, bisschen schnacken – das volle Programm. Aber dann, rein nach Bochum, ab in die Läden, wo du früher alles bekommen hast: vom Schlauch bis zur Ersatzschraube. Kettennieter-Drama im Ruhrpott
Und was gibt’s heute? Bikes, soweit das Auge reicht. Schicke Modelle mit Preisschildern, die dich erstmal schlucken lassen. Aber sobald du nach nem simplen Kettennieter fragst, gucken dich die Verkäufer an wie’n Auto.
„Ja, also… haben wir vielleicht noch im Lager, aber bestellen wäre einfacher. Wir schicken Ihnen das gerne nach Hause.“
Ganz ehrlich: Da platzt mir der Arsch! Ich fahr doch nicht extra in die Stadt, nur um am Ende zu hören: „Klicken Sie sich das online.“

Der Handel lässt die Schrauber hängen
Da frag ich mich: Was machen die Läden eigentlich noch für uns Selberschrauber? Verkaufen die nur noch Bikes? Ist der ganze Kleinkram wie Kettennieter, Kabelendhülsen, Schrauben und Bremsbeläge aus’m Regal geflogen, weil sich das nicht mehr lohnt?
Früher bist du in den Laden, hast 20 Euro da gelassen für so’n Teil, und der Schrauber an der Theke hat dir nebenbei noch zwei Tipps gegeben, wie du deine Kette richtig vernietet bekommst. Heute? Service gleich null, außer du kaufst gleich ein komplettes Rad für mehrere Tausender. Kettennieter-Drama im Ruhrpott
Emotionen im Pott – das Werkzeug fehlt, der Frust bleibt
Und weißte was? Das nervt nicht nur, das macht mich auch traurig. Weil Radfahren ist ja nicht nur Ballern auf Trails oder Schotter, sondern auch das Schrauben, das Basteln, das sich mit seinem Bike verbinden. Und wenn dir dafür so’n simples Werkzeug fehlt, dann geht ein Stück Kultur verloren.
Ich hab gestern echt gemerkt, wie sehr sich die Szene verändert hat. Von „Haste was kaputt, schraubste eben selber“ hin zu „Bring’s in die Werkstatt oder bestell online“.
Nee, Freunde, so will ich das nicht. Ich will meine Ketten selber nieten, und zwar mit einem Werkzeug, das einfach funktioniert – egal ob 9-fach, 11-fach oder 13-fach, scheiß drauf. Kettennieter-Drama im Ruhrpott
Mein Fazit
Kettennieter-Drama im Ruhrpott – Wenn du heute nen Kettennieter suchst, mach dich drauf gefasst, dass du nicht einfach in den Laden gehen kannst. Da gibt’s höchstens noch Multitools mit Mini-Kettennieter, die bei der ersten halbwegs festen Kette auseinanderfallen.
Die großen Händler verweisen dich ins Internet, und wenn du Glück hast, kommt das Ding nach drei Tagen an. Aber mal eben in der Werkstatt nebenan stöbern – die Zeiten sind wohl vorbei.
Und dann wundern sich die Leute, warum wir alle online kaufen. Ey, kein Wunder, wenn selbst der letzte Kettennieter aus’m Regal verschwunden ist.