Stattdessen gab es einen Tag voller Absagen
Deutsche Bahn . Eigentlich wollte ich zur EUROBIKE. Um 4:57 Uhr sollte mein Zug fahren. Doch ein IT-Problem bei der Deutschen Bahn hat aus einem Messetag einen Tag voller Absagen gemacht.
Der Wecker klingelte morgens um drei Uhr. Kaffee stand bereit, die Tasche war gepackt und ich habe mich ehrlich auf diesen Tag gefreut. Nicht, weil ich unbedingt von Stand zu Stand hetzen wollte, sondern weil ich mich auf Gespräche mit Menschen gefreut habe, die mich interessieren. Termine mit DJI Avinox, MFlow und weitere Treffen waren geplant. Einfach mal wieder Neues sehen, Fragen stellen, Wissen aufsaugen und ein paar bekannte Gesichter treffen.
Ich fahre gerne mit der Deutsche Bahn. Wirklich. Nicht, weil immer alles perfekt läuft, sondern weil ich versuche, meinen eigenen Teil zu einem vernünftigen Umgang mit Ressourcen beizutragen. Ich achte im Alltag auf meinen Stromverbrauch und bekomme regelmäßig Geld zurück, weil ich nicht verschwenderisch lebe. Ich werfe keine Zigarettenfilter auf den Boden, auch wenn ich Raucher bin. Nachhaltigkeit ist für mich kein großes Schlagwort, sondern etwas, das ich im Alltag so gut wie möglich umzusetzen versuche. Deshalb war für mich klar: Natürlich fahre ich zur EUROBIKE mit der Deutsche Bahn.
Deutsche Bahn – Doch heute Morgen kam alles anders.
Mein Zug fiel aus. Die Alternativen ebenfalls. Dann noch ein späterer Zug. Wieder Probleme. Also Handy raus und versuchen, das Ganze irgendwie zu regeln. Irgendwann kam der Punkt, an dem klar war: Das wird nichts mehr.
Und dann beginnt die zweite Runde des Wahnsinns bei der Deutsche Bahn. Anträge stellen. Erstattungen beantragen. Formulare ausfüllen. Webseiten, die teilweise überlastet sind. Abfragen, die eine Ankunftszeit wissen wollen, obwohl man gerade angegeben hat, dass man die Reise aufgrund einer technischen Störung überhaupt nicht antreten konnte. Da fragt man sich schon, ob irgendwann mal jemand versucht hat, diese Prozesse aus Sicht eines normalen Reisenden zu benutzen.

Versteht mich nicht falsch. Wenn irgendwo ein Polizeieinsatz ist, ein Mensch Hilfe braucht oder höhere Gewalt eine Rolle spielt, dann kann die Deutsche Bahn nichts dafür. Ich habe nach meiner Rückreise aus Dolomiti Paganella selbst erlebt, wie wir wegen eines Polizeieinsatzes mehrere Stunden festsaßen. Das ist ärgerlich, aber manchmal eben nicht zu ändern. Bei einem technischen Problem sieht die Sache allerdings anders aus.
Wir reden hier über kritische Infrastruktur. Familien wollen in den Urlaub fahren. Menschen besuchen Freunde oder Verwandte. Und Menschen wie ich oder Geschäftsreisende haben Termine, auf die sie sich vorbereitet haben und die sich nicht einfach verschieben lassen. Da muss es Backup-Systeme geben. Es kann doch nicht sein, dass ein IT-Problem gleich zu einem landesweiten Chaos führt. Redundanz ist keine Spielerei, sondern eine Notwendigkeit. Gerade in einem Land, das sich Digitalisierung und Verkehrswende auf die Fahnen schreibt.
Ich will die Deutsche Bahn nicht schlechtreden. Im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass sie funktioniert. Ich wünsche mir mehr Menschen im Zug und weniger Menschen im Stau. Ich wünsche mir, dass die Deutsche Bahn eine echte Alternative zum Auto bleibt. Aber Alternativen müssen zuverlässig sein. Genau an diesem Punkt wird es schwierig.
Denn ich habe bis heute bewusst auf den Führerschein verzichtet. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ich nie den Wunsch hatte, einen Verbrenner zu fahren. Ich wollte nicht noch mehr Autos auf den Straßen und habe versucht, mein Leben entsprechend auszurichten. Heute frage ich mich zum ersten Mal ernsthaft, ob ich diese Entscheidung irgendwann ändern muss. Nicht, weil ich das möchte, sondern weil ich vielleicht dazu gezwungen werde.
Warum die Deutsche Bahn Störung meinen EUROBIKE-Tag beendet hat
Ich hätte kein Problem mit einem Elektroauto. Im Gegenteil. Das würde sogar zu meinem Verständnis von Mobilität passen. Vielleicht sogar mit eigenem Solarstrom geladen. Leise, effizient und alltagstauglich. Aber die Fahrzeuge, die für meinen Einsatzzweck interessant wären, liegen preislich in Bereichen, die für mich schlicht nicht erreichbar sind. Ich brauche Platz für ein oder zwei Fahrräder, vernünftige Reichweite und Alltagstauglichkeit. Falls also irgendein Hersteller zufällig ein großes Elektroauto mit 500 Kilometern Reichweite übrig hat und die Werbung fünf Jahre darauf kleben bleiben darf, ich würde nicht weglaufen. Das war natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Naja, zumindest fast.
Deshalb bleibt es vorerst bei der Bahn. Und genau deshalb wünsche ich mir, dass sie besser wird. Nicht perfekt, aber besser. Denn ich möchte weiterhin morgens um drei Uhr aufstehen, mir einen Kaffee machen, zum Bahnhof fahren und mit einem guten Gefühl losfahren können.
Heute wurde aus Vorfreude Enttäuschung. Und aus einem Tag auf der EUROBIKE wurde ein Tag voller Absagen.
Schade.
Schon verrückt, dass man dafür im Jahr 2026 immer noch die älteste Technik der Welt braucht: funktionierende Infrastruktur.